Sag es deinem Hund in seiner Sprache

Viele Probleme in der Hundeerziehung haben den Ursprung der „falschen Kommunikation“ zwischen Hundehalter und Tier. Es wird uns unterstellt, dass wir unseren Hund falsch verstehen und ihm falsche Signale senden. Die Kommunikation von Mensch und Tier sei grundsätzlich verschieden und man muss lernen die des Hundes zu verstehen. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit intensiv mit diesem Thema, denn auch bei mir und Anni gibt es durchaus einige Kommunikationsmissverständnisse. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Kommunikation von Menschen und Hunden im Grunde mit den gleichen Mitteln passiert. Sowohl der Mensch als auch der Hund kommuniziert mit verbalen und nonverbalen Signalen. Wir Menschen nutzen vorwiegend unsere Stimme als Kommunikationsmittel und der Hund seine Körpersprache. Das ist aber nur bedingt richtig. Wenn wir unser Verhalten einmal genauer betrachten, fällt uns auf, dass wir viel mehr über die Körpersprache kommunizieren, als wir eigentlich annehmen. Ich möchte euch dafür ein Beispiel zeigen:

Jeder von euch kennt es bestimmt, dass die Kommunikation über das Chatten beispielsweise nicht so eindeutig und klar ist, wie als wenn man seinem Gegenüber direkt etwas mitteilt. Es fehlt dabei an der körperlichen und emotionalen Reaktion des anderen. Ich kann weder dessen Gestik, Mimik noch Stimmausdruck deuten, um neben dem Wortlaut Aufschluss über die Einstellung des Gegenüber, Aussagen über die Wahrhaftigkeit und Bedeutung der Aussage, sowie über den emotionalen Zustand zu erhalten. Ich kann nicht wissen wie der andere mein Geschriebenes auffasst und beurteilt. Gleichermaßen ist es schwieriger, das zum Ausdruck zu bringen, was man eigentlich meint. Wir benutzen daher verhäuft Emojis, um unserem Text die richtigen Emotionen beizufügen. Das soll in diesem Fall die nonverbale Kommunikation ersetzen.

Lässt man die Emojis nämlich weg und schreibt lediglich das auf, was man meint, kann das vom anderen in den unterschiedlichsten Formen aufgefasst werden.

Anhand von diesem Beispiel kann man sehr gut erkennen, dass wir die nonverbale Kommunikation durchaus für unser gegenseitiges Verstehen benötigen und zwar mit einer höheren Bedeutung als wir denken. Einem Hund würde solch ein Missverständnis unter Artgenossen nicht passieren. Sie kommunizieren immer direkt über die Körpersprache.

Wenn wir nun also auf das ursprüngliche Problem der Kommunikation zwischen Hund und Hundehalter kommen, wird uns bewusst, dass die Körpersprache sowohl vom Hund als auch vom Menschen von Natur aus beherrscht wird.

Wo also liegt das Problem bei der Kommunikation?

Der Mensch hat die tolle Begabung mithilfe der Stimme das eigene Befinden zu vertuschen. Das was ich sage muss nicht grundsätzlich mit dem Übereinstimmen was ich meine. Daher fällt es dem Menschen oftmals schwer die eigene Körpersprache mit der verbalen Stimme eindeutig einzusetzen. Das ist natürlich ein tiefgründiges Problem für den Hund. Er erlebt dich beispielsweise mit einer fröhlichen Stimme, deine Körperhaltung zeigt aber eine Bedrohung. Wie also fühlst du dich? Was möchtest du mir zeigen? Was soll ich machen?

Im Grunde geht es also darum deine eigene Körpersprache bewusst einzusetzen, um die richtigen Signale zu senden. Das ist nichts, was du erlernen musst, du musst es lediglich erkennen.

Hund und Mensch sprechen auf dieser Ebene die gleiche Sprache. Wunderbar, denn das macht die Sache doch unglaublich einfach. Ich möchte dabei aber keinesfalls zum Ausdruck bringen, dass der Hund nicht auch die menschliche Stimme als Kommunikationsmittel erlernen kann. Um das jedoch zu erreichen, musst du zunächst seine Sprache (und ja auch deine Sprache) verstehen und erkennen, um ihm im Anschluss deine beizubringen. Es gilt daher eine gemeinsame Kommunikation aufzubauen, wo sich Körper- und Lautsprache miteinander vereinen.

Ich möchte in der nächsten Zeit mit Anni mal mehr „ohne Worte“ kommunizieren. Mich interessiert was ich daraus lernen kann und was es mir und dem Hund in der Erziehung hilft. Ich werde mehr meinen Körper einsetzen und versuchen klare Signale zu senden, ohne sie mit meiner Stimme zu verunsichern. Dabei lerne ich was meine Körpersprache bei Anni für Reaktionen auslöst und wie ich mit der Zeit meine Stimme als Hilfe einsetzen kann.

Im nächsten Post werde ich mehr auf die Körpersprache des Hundes eingehen. Welche Verhaltensweisen zeigt uns der Hund und was bedeuten diese. Denn natürlich ist für die eindeutige Kommunikation zwischen Mensch und Hund nicht nur dein Verhalten ausschlaggebend, sondern natürlich auch das des Hundes.

Wie läuft bei euch die Kommunikation ab? Habt ihr manchmal Situationen, wo der Hund ein unerwünschtes Verhalten zeigt, was vielleicht auf eure gegensätzliche Körpersprache beruht? Ich bin  gespannt auf eure Meinungen 🙂

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